DE +49 40 411 60 68 0
UK +44 1224 459 64 0
Global Renewables Shipbrokers

GRS Presse

Hier finden Sie aktuelle Pressemitteilungen, Nachrichten und Veröffentlichungen von GRS. Bei Fragen zu den Themen oder Materialien sprechen Sie uns gerne an!

Offshore news

Frischer Wind für eine alte Branche

VIELE MARITIME UNTERNEHMEN HABEN ERNEUERBARE ENERGIEN ALS NEUEN GESCHÄFTSZWEIG ENTDECKT 

 

Von Martin Kopp

Seit weit über 100 Jahren kann man die Schlepper der Bugsier-, Reederei- und Bergungs-Gesellschaft täglich bei der Arbeit bewundern, etwa wenn die kleinen Fahrzeuge mehrere 100 Meter lange Großschiffe auf dem Punkt drehen und metergenau an die Kaikante schieben. Weniger bekannt ist die Arbeit des Unternehmens auf hoher See. Dort ist der 1866 gegründete Familienbetrieb seit vielen Jahren auch in der Offshore-Förderung von Öl und Gas sowie in der Bergung von Havaristen tätig.

 Seit Kurzem hat Bugsier noch ein anderes Thema für sich entdeckt, die Offshore-Windindustrie. Das Unternehmen ist eines von zahlreichen in Hamburg, die sich, aus dem maritimen Sektor kommend, durch die Energiewende neues Marktpotenzial erschließen. Bugsier hat dafür eine eigene Sparte in die Unternehmensstruktur eingezogen.

"Die Kunden, die zu uns kommen, verstehen viel von der Stromerzeugung durch Wind, aber wenig von den Verhältnissen auf hoher See. Wir hingegen können auf jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen", sagt Sven Schröder, zuständig für den Unternehmensbereich Offshore Windkraft. "Wir bieten Beratungsleistungen an, die vom Bau bis hin zum Betrieb von Windparks reichen, und wir bieten eigenes logistisches Equipment, das für den Bau der Anlagen benötigt wird." Allerdings sind die Gerätschaften rar. Schlepper, Schwimmkran und Pontons muss man in der Regel ein Jahr im Voraus bestellen. "Die Aufträge boomen geradezu", sagt Schröder. "Die Bugsier wird in diesem Jahr ihren Netto-Umsatz bezogen auf Offshore-Wind-Aktivitäten im Vergleich zum Vorjahr um 65 Prozent steigern können."

Ähnlich gut im Geschäft ist die Ernst Heinrich GmbH. Das Unternehmen produziert seit mehr als 50 Jahren metallene Kabelverschraubungen für den Schiffbau und die Schiffbauzulieferindustrie. Das machen andere Wettbewerber auch. Doch die Produkte des Unternehmens in Hamburg-Volkspark zeichnen sich durch eine hohe Lebensdauer aus. Wasser und Salzluft können ihnen wenig anhaben. Zudem stellt die Firma mit 13 Mitarbeitern auch besonders große Kabelverschraubungen her, und die werden beim Anschluss der großen Windradtürme benötigt. "Zusammen mit der TU Harburg arbeiten wir derzeit an einer Legierung, die noch widerstandsfähiger gegen die Witterungseinflüsse ist", sagt Sven Buckenbereger, Geschäftsführender Gesellschafter bei Ernst Heinrich.Auf der anderen Seite der Stadt in einem Bürogebäude am Mittelkanal in der Eiffestraße hat Develogic seinen Sitz. Das ebenfalls kleine Unternehmen mit gerade einmal 14 Mitarbeitern ist eine Art Think Tank für Produkte der Unterwasser-Kommunikation. Früher saß das Unternehmen in Süddeutschland und arbeitete für die Autoindustrie. 2003 erhielt Develogic Aufträge aus der Meerestechnik und zog nach Hamburg um. Develogics Ingenieure kennen sich in der Tiefsee aus. Ganz so tief müssen sie bei Aufträgen der Offshore-Windindustrie nicht. Dennoch handelt es sich um "ein kleines aber potenziell stark wachsendes Geschäftsfeld", sagt Geschäftsführer Markus Motz. So wird Develogic beispielsweise gerufen, wenn es um die akustische Belastung der Meeresfauna beim Bau von Windparks geht. Schweinswale etwa, die einzige Walart in heimischen Gewässern, gelten als besonders geräuschempfindlich. Deshalb hat das Umweltbundesamt einen Grenzwert für Unterwasserlärm beim Bau von Offshore-Windanlagen festgelegt. Dass dieser nicht überschritten wird, messen die Systeme von Develogic. Völlig neu ist ein optisches Messsystem, dass das Unternehmen jetzt für die Menck GmbH entwickelt. Menck sitzt in Kaltenkirchen gehört aber zu den Weltmarktführern im Vertrieb von Rammen für den Unterwasserpfahlbau. Diese werden für Brücken oder Ölbohrplattformen benötigt. Zunehmend aber auch für Windparks. So war Menck am Bau des ersten Windparks in der Nordsee  Alpha Ventus beteiligt. Das neue Messsystem soll dafür sorgen, dass die Pfähle genau senkrecht in den Meeresboden gerammt werden. Es gibt etliche weitere Beispiele. "Wir arbeiten eng mit dem maritimen Cluster zusammen und agieren in einem stetig wachsenden Markt", sagt der Geschäftsführer des Clusters erneuerbare Energien Hamburg, Jan Rispens. Derzeit würden Windparks mit insgesamt fünf Gigawatt Leistung entwickelt und gebaut. "Wir reden über ein Gesamtinvest von 15 bis 20 Milliarden Euro. Ein erheblicher Teil der Wertschöpfung fällt im maritimen Sektor an", sagt Rispens.

Inzwischen gibt es in Hamburg sogar einen Schiffsmakler, der sich ausschließlich auf die Vermittlung von Wasserfahrzeugen für den Bau von Windparks spezialisiert hat. Hinter den German Renewables Shipbrokers (GRS) verbergen sich Philippe Schönefeldt und Matthias Mroß, zwei Schiffbauingenieure die das Geschäft bei großen Reedereien gelernt haben. "Wir haben weltweit 70.000 Schiffe in unserem Register", sagt Mroß. Vor allem Reedereien aus Großbritannien, Skandinavien und dem Küstenbau in Holland würden Fahrzeuge anbieten. Der Schwerpunkt der Nachfrage liege hingegen inDeutschland. Dabei muss man berücksichtigen, dass man mit einem Installationsschiff allein noch keinen Windpark aufbauen kann. "Jedes Installationsschiff braucht etliche weitere Funktionsfahrzeuge, Kabelleger, Wohnschiffe, eine Taucherbasis, ganze Flotten werden benötigt." Und das Ganze muss hochseetüchtig sein. Denn anders als in England und in Skandinavien dürfen Offshore-Windparks in Deutschland nicht in küstennahen Flachgewässern gebaut werden. So entstehen die Nordsee-Windparks zwischen 35 und 100 Kilometer westlich der Uferzone.

Die Arbeit auf hoher See verlangt also umfassende Erfahrungen. Erste klassische Reedereien tun sich mit Spezialisten im Windrad-Bau zusammen. Das Hamburger Unternehmen Windea ist ein Joint Venture der Bernhard Schulte Reederei mit der EMS Maritime Offshore GmbH in Emden sowie der SSC Wind GmbH in Wildeshausen. Die Firma bietet sich als Dienstleister für Erbauer und Betreiber von Windparks an.

Nicht immer gelingt der Wandel hin zu den erneuerbaren Energien. Vor zwei Jahren wurde die Werft Nordseewerke in Emden von ThyssenKrupp an SIAG Schaaf veräußert. Wegen mangelnder Aufträge im Schiffbau sollten die 700 Beschäftigten künftig Windenergieanlagen herstellen. Doch die Finanzdecke war zu dünn. Mitte Oktober 2012 mussten die Nordseewerke Insolvenz anmelden. Das muss aber nicht das Ende bedeuten, wie das Beispiel der Hamburger Sietas zeigt. Auch diese Werft ist insolvent. Hier wird aber kräftig an einem neuen Schiff gebaut: Ein Installationsschiff für die Errichtung von Windparks.

zurück zur Übersicht

Real Time Web Analytics