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Offshore news

Darf's noch ein Kran mehr sein?

Global Renewable Shipbrokers vermittelt Spezialschiffe für die Offshore-Windkraft. Das Start-up illustriert die Chancen, die die Branche Firmengründern bietet. Vorausgesetzt, sie können improvisieren.

Ein wenig erinnert die Webseite von Global Renewable Shipbrokers (GRS) an das Menü eines Burger-Restaurants: jede Menge Zutaten, alle frei miteinander kombinierbar. Nur dass es statt Hamburgern um Schiffe geht. Und statt Salat, Käse oder Extra-Zwiebeln können die Kunden hier auswählen, ob sie einen Kran für ihr Schiff benötigen, einen Tauchroboter oder einen Hubschrauberlandeplatz.

Any vessel, anytime: Jedes Schiff, jederzeit. Das ist das Angebot, das Philippe Schönefeld und sein Mitgründer Matthias Mroß Kunden aus der Offshore-Windkraft machen. „Ja, das ist ein großes Versprechen“, sagt Schönefeld und lächelt: „aber wir können das.“

Der Erfolg gibt ihm Recht. Innerhalb von fünf Jahren entwickelte sich aus einem Start-up, dessen zwei Gründer auf gebrauchten Möbeln in einem 30-Quadratmeter-Büro saßen, ein 16-köpfiges Unternehmen mit Sitz in bester Hamburger Innenstadtlage. Die aufgenommenen Kredite sind lang abbezahlt.

Dass die Offshore-Windkraft neue Geschäftsfelder eröffnete, erkannte schon 2007 Schönefelds damaliger Arbeitgeber, die Rickmers Reederei. Dort baute der studierte BWLer mit Schwerpunkt Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft die Offshore-Abteilung mit auf.

Manchmal waren deren Anforderungen profaner als gedacht: Schönefelds erster Kunde brauchte einen kleinen Kutter, mit dem Naturschutzexperten vor Baubeginn die Tierwelt am künftigen Windpark-Standort untersuchen sollten. Kostenpunkt: um die 1500 Euro am Tag. Schnell aber wuchsen die Anforderungen – auch an Schönefelds Improvisationstalent. Denn oft wussten die Kunden selbst nicht genau, was für ein Schiff sie eigentlich brauchten. „Da hieß es nur: es gibt diese oder jene Aufgabe zu erfüllen. Und wir mussten überlegen, was man dafür braucht.“

Manchmal konnte Schönefeld dafür auf Schiffe zurückgreifen, die zuvor in der Offshore-Förderung von Öl oder Gas eingesetzt wurden. Oft aber waren die Anforderungen der Windkraft-Kunden in entscheidenden Details anders. Beispielsweise als ein Schiff für die Arbeiter gebraucht wurde, die bei der Installation eines Parks eingesetzt werden. „In der Ölbranche schlafen die Arbeiter auf der Plattform. Wir aber brauchten eine Art Mutterschiff, von dem aus die Arbeiter zu den bis zu 80 Anlagen pendeln können“, sagt Schönefeld.
Perfekter Zeitpunkt für die Selbstständigkeit

Was nicht passt, wird passend gemacht: Die Lösung fand sich in Form einer alten Fähre, der „Regina Baltica“. An der brachte der Reeder sogenannte Anlandungsplattformen an, um kleine Shuttle-Schiffe zu arretieren, die die Arbeiter zu den Anlagen brachten – plus einen Helikopterlandeplatz. Heute wird das Schiff regelmäßig für solche Einsätze gebucht. „Viele Reeder fragten uns auch: Wie kann ich meine Schiffe umbauen, um in diesem Markt mitspielen zu können?“, sagt Schönefeld: „Wir waren oft Geburtshelfer.“

Seit 2011 ist er das auf eigene Rechnung. Der Startschuss zur Gründung von GRS fiel unmittelbar nach dem Unfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima und der folgenden atompolitischen Kehrtwende in Deutschland. „Ich hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt, mich selbstständig zu machen, und war sicher: das ist der perfekte Zeitpunkt“, sagt Schönefeld. „Es war klar, dass es große Entwicklungen in diesem Bereich geben würde.“

Erfahrungen und Kontakte zu Reedern brachte er mit, ebenso wie sein Mitgründer Mroß, der zuvor ebenfalls bei Rickmers gearbeitet hatte. „Aber es war trotzdem harte Arbeit“, sagt Schönefeld. Zum einen, weil die Charterer die Frage stellten, die man jedem Makler stellt: Warum soll ich mir nicht direkt einen Reeder suchen?

Schönefelds Antwort ist die Datenbank, die sein Unternehmen aufgebaut hat. 88.000 Schiffe sind darin mittlerweile verzeichnet, vom eingangs erwähnten Schiffskutter über Kreuzfahrtschiffe bis hin zu Kranschiffen mit mehr als 10.000 Tonnen Hebekraft zum Mietpreis von mehr als einer Million Euro am Tag. Über das ausgeklügelte Suchmenü können anfragende Unternehmen die gesuchten Komponenten frei miteinander kombinieren.

Wenn nötig, organisiert GRS auch einzelne Komponenten von verschiedenen Anbietern – und baut sie auf einem einzigen Schiff wieder zusammen. Wöchentlich melden die Reeder dafür nach Hamburg, welche Schiffe verfügbar sind. „Das findet man nicht mit drei Tagen Internetrecherche heraus“, sagt Schönefeld.
Wichtigste Tugend für Gründer: Beharrlichkeit

Herausfordernd war es aber auch, sich in eine Branche einzufügen, deren Player überwiegend aus der landbasierten Windkraft kommen. „Da kennt jeder jeden. Um akzeptiert zu werden, braucht man viel Beharrlichkeit“, sagt Schönefeld.

Und man muss es schaffen, diese Player mit denen aus anderen Bereichen zusammenzubringen. „Auf dem Wasser sind die Dinge nun einmal etwas anders als an Land.“ Zum Beispiel bei den Haftungsregeln. „An Land haftet man für Schäden, die anderen entstehen. In der Öl- und Gasförderung gelten die sogenannten Knock-for-Knock-Klauseln, nach denen man nur für eigene Schäden aufkommt“, sagt Schönefeld. Vereinfacht gesagt: Wenn der Charterer das Schiff beim Einsatz beschädigt, hat der Reeder Pech gehabt. „Da gibt es viel Erläuterungsbedarf.“

Inzwischen habe sich Vieles eingespielt, meint er. Die Anforderungen seien präziser formuliert, die Preise genauer kalkuliert – und das Angebot an Spezialschiffen größer. Allein die Zahl der sogenannten Wind-Turbine-Installation-Schiffe ist seit Beginn seiner Maklertätigkeit von europaweit 15 auf inzwischen rund 45 gestiegen.

Angst vor Verdrängung hat Schönefeld dennoch nicht. Im Gegenteil. „Dieser Markt erzeugt zunehmend Interesse. Auf Messen sieht man immer öfter Venture-Capital-Geber“, sagt Schönefeld. „Ich glaube, es gibt noch viel Raum für Start-ups.“ Auch im Ausland. In Aberdeen hat GRS bereits ein Büro errichtet, erste Projekte mit Unternehmen aus Frankreich und den Benelux-Staaten laufen. Langfristig haben Schönefeld und Mroß auch die USA und Asien in Blick.

Außerdem ist da noch das „R“ für „Renewable“ im Firmennamen, das zeigt: Es geht nicht nur um Windkraft. „Noch kommen 99 Prozent unserer Kunden aus diesem Bereich“, sagt Schönefeld. „Aber da wird noch vieles hinzukommen, etwa im Bereich Wellen- und Gezeitenkraftwerke.“ Er ist sicher: auch dort wird es Bedarf geben für Makler, die improvisieren können.

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