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Offshore news

Tonnenschwere Spezialisten

„Im Namen der SEA INSTALLER kann ich Ihnen erfreut mitteilen, dass das Projekt BKR01 abgeschlossen ist. Das letzte Rotorblatt, WTG Nr. 78, M02, wurde 22-05-2015 22:23 installiert.” Die Nachricht von Malte C. Bruun, als Master on Board des Errichter-Schiffes SEA INSTALLER verantwortlich für alle technischen und nautischen Aufgaben, klingt fast militärisch sachlich, und doch schwingt ein Stück Stolz und Erleichterung mit.

BKR01, dahinter verbirgt sich der Windpark Borkum Riffgrund 1, in dem das dänische Unternehmen A2SEA 78 Windenergieanlagen für Dong Energy in der deutschen Nordsee mit errichtet hat. Und auch wenn es bereits der elfte Offshore-Windparks ist, an dem Bruun mitgearbeitet hat, ist jedes Projekt einzigartig: „Es gibt immer ein paar kleine Widrigkeiten am Anfang, aber das ist normal, wenn hunderte Crewmitglieder, Techniker, Projektmanager und Koordinatoren an einem Projekt arbeiten, das manchmal in sehr weiter Ferne zu liegen scheint.“

Im Mittelpunkt: eine gut ausgebildete Crew und die SEA INSTALLER, ein spezielles Errichter-Schiff, um Windturbinen auch fernab der Küste aufbauen zu können. 132 Meter lang, 39 Meter breit, bietet sie 3.350 Quadratmeter Platz an Deck – soviel wie ein halbes Fußballfeld. Sie kann 5.000 Tonnen Ladung transportieren, ihr Hauptkran hebt bis zu 900 Tonnen.

35 Crewmitglieder finden auf ihr Platz und mit zwölf Knoten pro Stunde, das sind rund 22 Stundenkilometern, ist sie flott unterwegs. Doch das Besondere sind ihre über 80 Meter langen Beine: Um auf See einen fest Stand zu haben, während der Kran Turmteile, Maschinenhäuser oder Rotorblätter passgenau an ihren Platz bringt, kann das Schiff vier Stelzen ausfahren, fest auf dem Meeresboden gründen und sich über die Wasseroberfläche heben: das sogenannte „Aufjacken“.

Wind und Wellen können es jetzt nicht mehr zum Schwanken bringen. „Diese Errichter-Schiffe der so genannten zweiten Generation sind speziell auf die Bedürfnisse der Offshore-Windindustrie zugeschnitten“, sagt Hans Schneider, Chief Operation Officer (COO) bei A2SEA.

Von der Hubinsel zum Spezialschiff

Die ersten Schiffe, mit denen Anlagen auf dem Meer errichtet wurden, waren Hubinseln, Schwimmkräne oder bei größeren Wassertiefen und Entfernungen zur Küste auch mal umgebaute Frachter. „Teilweise sah das Aufbaukonzept vor, dass die Hubinsel auf der Baustelle blieb und andere Schiffe die Anlagenteile aus dem Hafen holten“, erklärt Helge Glubrecht, Schiffbauexperte bei der Beratungsgesellschaft Deutsche Windguard.

Der Nachteil dieses so genannten Feeder-Konzeptes war, dass sich die Zulieferschiffe in Wind und Wellen bewegten und deshalb schon bei mittlerem Wellengang die Arbeit eingestellt werden musste - tonnenschwere Fundamente von einem schwankenden Schiff zu heben, war einfach zu gefährlich.

Zudem brauchten die Hubinseln, deren Konzepte ursprünglich aus der Erdöl- und -gasförderung kamen, sehr lange, um ihr Jacking-System auszufahren und so Grund unter den Füßen zu bekommen. „Bei Bohrinseln muss so ein Jacking-System nur ein paar Mal im Jahr arbeiten, dann macht es nichts, wenn es lange dauert“, so Helge Glubrecht.

Auf der Baustelle eines Offshore-Windparks muss sich ein Schiff aber oft einmal am Tag aus dem Wasser heben. Dafür waren die Plattformen zu langsam. Auch hatten die Hubinseln keinen eigenen Antrieb und mussten von Schleppern von einem Anlagenstandort zum anderen gezogen werden. Und sie wurden zu klein: Der Kran der Odin, eine der ersten für die Offshore-Windenergie umgebauten Hubinseln, konnte nur 300 Tonnen heben und die Plattform bot mit einer Länge von 46 und einer Breite von 30 nicht genug Platz für moderne Windenergieanlagen.

So entwickelten Schiffbauer und Werften eine neue Generation von Errichter-Schiffen, die starke Schiffsmotoren, einen belastbaren Hauptkran und ausreichend Platz an Deck haben, aber auch mit einem effektiven Jacking-System fest auf dem Meeresboden gründen können.

Das komplette „Aufjacken“ eines modernen Errichter-Schiffes dauert nur rund 60 Minuten, bis es so hoch über den Wellen thront, dass Arbeiten auch bei zwei Meter hohen Wellen und Windgeschwindigkeiten von 12 bis 15 Meter pro Sekunde noch möglich sind. „Mit diesen Schiffen kann jetzt an 95 Prozent der Tage im Jahr in Wassertiefen bis 50 Meter gearbeitet werden“, sagt Glubrecht.

 Weniger Ausfallzeiten, optimierte Schiffe - das hat Auswirkungen auf die Kosten: „Wir haben die Kosten mit diesen modernen Schiffen um bis zu 40 Prozent gesenkt“, sagt Hans Schneider von A2SEA, dessen Unternehmen zu den Pionieren der Branche gehört und für fast die Hälfte aller Windenergieanlagen weltweit gechartert wurde.

Und auch ein anderes Problem konnte gelöst werden: Galt noch vor wenigen Jahren die Verfügbarkeit von Errichter-Schiffen als Flaschenhals, durch den der Ausbau der Offshore-Windenergie gebremst würde, ist dieser Knoten inzwischen geplatzt.

„Es gibt ausreichend Kapazitäten“, sagt Philippe Schönefeld, Geschäftsführer beim Schiffsmakler Global Renewables Shipbrokers. Mittlerweile gebe es rund 40 Errichter-Schiffe in Europa, allerdings müsse sich ein Planer rund zwei Jahre im Voraus das gewünschte Schiff sichern. „Große Fundamente wiegen heute 1.000 Tonnen und mehr, und das können dann nicht mehr viele heben“, so Schönefeld.

Auch die Stimmung an Bord ist wichtig

Um eine 35-köpfige Crew über Wochen bei Laune zu halten, sind aber noch andere Dinge an Bord wichtig. Üblicherweise arbeitet die Besatzung 14 Tage in zwei Schichten und hat dann 14 Tage frei. „Wichtig ist, dass Schiff ausreichend Einzelkabinen hat - das ist immer ein Riesenthema in der Mannschaft. Und das Essen muss gut sein, damit die Stimmung gut ist“, sagt Felix Fliege, freiberuflicher Marine Consultant und Teilprojektleiter Transport und Installation eines deutschen Offshore-Windparks.

„Gerade, wenn das Wetter die Arbeiten in dem Moment verzögert, wenn alle Beteiligten fertig in den Startlöchern stehen und dann zehn Stunden warten müssen, bis es weiter gehen kann, kann die Stimmung schon mal absacken“, berichtet Malte C. Bruun. „Manchmal muss man dann lange warten, bis sich wieder ein Zeitfenster auftut, aber das ist Teil des Jobs.“

Während die Crew weit draußen im Meer der stürmischen See trotzt, macht sich die Branche an Land derweil Gedanken, wie sich der Markt der Errichter-Schiffe in Zukunft weiterentwickeln wird. „Die Frage ist, wie und wo sich der Markt entwickelt, und das ist stark abhängig vom Strompreis“, sagt Fridtjof Rohde, CCO bei der Werft Pella Sietas, die das Errichter-Schiff Aeolus gebaut hat. „Die Reeder wissen noch nicht, welche Anforderungen ein Schiff in Zukunft erfüllen muss und wie lange es im Einsatz sein kann.

Ein neues Schiff muss sich deshalb in nur etwa acht Jahren amortisieren, das hält die Preise hoch.“ Und für eine Standardisierung, die die Kosten beim Schiffbau reduziert, sei der Markt noch zu sehr in Bewegung.

Auch wohin technisch die Reise geht, ist unklar. Werden die Anlagen noch größer? Dann brauchen die Schiffe noch stärkere Kräne. „Die Anlagen der neuesten Generation mit 8 bis 10 Megawatt Leistung können wir schaffen“, sagt A2SEA-COO Schneider. Danach könnte es eng werden für die Schiffe, zumindest in Nordeuropa. „Aber auch die USA und Asien sind interessante Märkte.“ Und das Errichter-Schiff kann einfach dorthin fahren.

Quelle: http://www.energie-winde.de/faszination-und-technik/details/tonnenschwere-spezialisten.html, Auto: Katharina Wolf, Datum: 30.7.2015

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